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Lagebericht unseres Projektleiters aus Pakistan

(geschrieben am 02.11.2005)




Viele Grüße aus Pakistan!

 

Der gestern veröffentlichte UN-Bericht gibt an, daß 17.000 Kinder bei dem Erdbeben umkamen. Auch die Mehrheit der Verletzten sind Kinder, da sie zum Zeitpunkt des Erbebens in der Schule waren.

 

Beim Gang durch verwüstete Dörfer mußten wir besonders achtgeben, um nicht auf Gräber zu treten; sie waren überall – überwiegend kleinere Gräber, also die von Kindern.

 

Die Krankenhäuser nehmen immer noch täglich Hunderte von verletzten Opfern auf. Selbst 23 Tage nach der Katastrophe. Eine Klinik verzeichnete in den letzten 24 Stunden über 500 Neuzugänge.

 

In den Krankenhäusern sieht es aus wie in Kriegslazaretten: überall liegen Verletzte. Ich werde meine beiden Besuche in der Kinderklinik mit mehr als 2.500 verletzten Kindern nie vergessen. Kinder ohne Arme, ohne Beine, mit Kopfwunden, schwer verbrannte Kinder, Babys – einen Monat alt – mit gebrochenen Beinen.

 

Wie immer konzentrierten wir unsere Hilfe auf die schwierigen, bisher nicht erreichten Gebiete, was uns großes Lob und Respekt vom pakistanischen Militär einbrachte, mit dem wir zusammenarbeiteten. Die große Mehrheit der Hilfsgruppen von Nicht-Regierungs- Organisationen (NGOs) sowie die Medien konzentrieren ihre Aktivitäten auf bestimmte zentrale Städte, während viele Dörfer weiter außerhalb aus verschiedenen Gründen ignoriert werden.

 

Wir flogen mit Militärhubschraubern viele Einsätze in unerreichte Bergdörfer, wo die Leute bisher keinerlei Hilfe bekommen haben, und warfen dort Zelte und Lebensmittel für die verstörten Überlebenden ab. In einer sehr hoch gelegenen Bergregion namens Banda, die nicht einmal eine Zufahrtsstraße hat, wurden etwa 60 Häuser zerstört; die Überlebenden dort warteten völlig verzweifelt auf Hilfe, winkten, schrieen und gaben Lichtsignale mit Spiegeln.

 

Ferner brachten wir Hilfsgüter auf dem Landweg in abgeschnittene Dörfer und verteilten sie dort.

 

Insgesamt lieferten und verteilten wir bisher 739 Zelte, 1.100 Matratzen, 1.100 Decken sowie 16 Tonnen Lebensmittel- und Überlebenspakete per Land- und Lufttransport. Das waren 10 große LKW-Ladungen und entsprechend viele Helikopterflüge.

 

Montag Nacht griffen Plünderer unseren LKW an, um Zelte zu bekommen, aber unser unbewaffneter Fahrer konnte entkommen, ohne auch nur einen Frachtgegenstand zu verlieren.

 

Schutz vor Kälte, d. h. Zelte, und Lebensmittel sind nach wie vor die dringendsten aller Hilfsgüter, da nun der Winter anbricht, die Nächte frostig sind, und immer noch Zehntausende (wenn nicht sogar Hunderttausende) völlig schutzlos im Freien leben.

 

Es fällt so sehr schwer, die Menschen wegzuschicken, wenn man nur einen bestimmten Betrag zur Verfügung hat, vor allem wenn sie wirklich leiden müssen. Es gab viele Situationen, in denen wir in die eigene Tasche greifen mußten, oder sogar unsere Familienangehörigen gebeten haben, doch bitte noch für ein Zelt oder ein weiteres Lebensmittelpaket zu spenden.

 

Die Überlebenden hoch in den Bergen müssen genug Nahrungsmittel haben, um die kommenden Wintermonate zu überstehen, sie brauchen unsere Unterstützung.

 

Die Tage hier waren lang und hart. Wir kamen erst weit nach Mitternacht ins Bett und standen bereits um 4.30 Uhr wieder auf. Unsere LKWs fuhren die Nächte durch auf schwierigen Straßen, um ihre Ziele rechtzeitig zu erreichen. Aber alles in allem waren die Einsätze jede Mühe wert und haben uns alle sehr erfüllt.

 

Danke, wenn Sie uns im Gebet und mit Ihrer Unterstützung beistehen, während wir den leidenden Menschen in diesen schwierigen Zeiten in Pakistan Hilfe bringen.

 

Derek


 

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