



Die afghanische Geschichte im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts ist eine Tragödie. Nachdem das Land zunächst eine stabile Entwicklung zu durchlaufen schien, orientierte es sich an der früheren Sowjetunion. Eine moskaufreundliche Regierung schloss Verträge mit der kommunistischen Führungsmacht. Dann kam es 1979 zum Sturz der Regierung, was die Sowjetunion veranlasste, in Afghanistan einzumarschieren. Die Besetzung dauerte bis 1989.
Nach Abzug der sowjetischen Truppen wegen andauernder Unruhen geriet das Land in völlige Instabilität. Präsidenten und Regierungen der verschiedensten Lager kamen nacheinander an die Macht und wurden wieder bekämpft und gestürzt. In den 1990er-Jahren besiegten von Pakistan aus operierende und von den USA und Saudi-Arabien finanzierte Mudschaheddin die Regierung. Die Aufteilung der Machtbereiche misslang jedoch wegen Rivalitäten. 1993 kamen die fundamentalistisch islamisch ausgerichteten Taliban-Milizen mit Unterstützung Pakistans an die Macht.
Osama bin Laden und seine Terrororganisation Al Kaida gewannen zunehmend Einfluss auf die Taliban. Mehr und mehr geriet das Land in mittelalterliche Verhältnisse. Die Scharia wurde eingeführt. Frauen durften nicht mehr arbeiten und Mädchen nicht mehr in die Schule gehen.
Nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 in den USA wurde das Taliban-Regime, das Mitgliedern von Terrororganisationen Zuflucht bot, im maßgeblich von den USA geführten Krieg gegen den Terror gestürzt.
Im Dezember 2001 wurde auf der „Petersberger Konferenz“ in Bonn ein Stufenplan zur Demokratisierung des Landes sowie die Bildung einer Regierung mit Hamid Karzai an der Spitze erarbeitet. Außerdem wurde die Stationierung der internationalen Afghanistan-Schutztruppe ISAF beschlossen. Das Land ist seit 2004 eine Islamische Republik. Karzai wurde zum Präsidenten gewählt und 2009 für eine zweite Amtszeit bestätigt.
Die Sicherheitslage des Landes ist immer noch sehr kritisch. Bombenanschläge und Selbstmordattentate nahmen seit 2005 stark zu. In all den Jahren ist es den ISAF-Truppen nicht gelungen, Stabilität und Frieden aufzurichten. Im Süden und Osten Afghanistans existieren Gebiete, die weder von ausländischen Hilfsorganisationen noch von ISAF-Truppen betreten werden.
Die militärische Strategie wurde aufgrund des lang anhaltenden Widerstands der Taliban mehrfach korrigiert. Aktuell gehen Experten davon aus, dass die Taliban militärisch nicht besiegt werden können, sondern dass der Krieg eher um die Überzeugungen der Afghanen geführt werden muss. Inzwischen sollen weniger radikale Taliban-Führer zu einem Bündnis bewegt werden. Nach langen Rückzugsdebatten wurde ein Abzug der ISAF auf 2014 festgelegt. Das einzige Ziel der Truppen besteht nun noch darin, afghanische Soldaten zur Sicherung ihres Landes zu befähigen.
Fortschritte sind besonders am Aufbau der Infrastruktur ablesbar. Mädchen erhalten Schulunterricht, Berufsschulen und Krankenhäuser wurden eingerichtet. Viele Afghanen fürchten sich jedoch vor dem Rückzug der ISAF und einer Wiederkehr der Taliban. Die mühsamen Errungenschaften der letzen 10 Jahre stünden dann tragischerweise auf dem Spiel. Im Dezember 2011 wird bei einer Afghanistan-Konferenz in Bonn erneut über die Zukunft des Landes beraten.