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Philippinen: Das Land der Callcenter

Meldung vom 09.11.2011

Die Wirtschaft in den Philippinen hat vor allem wegen Dienstleistungen im Callcenter-Bereich großen Auftrieb bekommen. Doch wie nachhaltig dieser wirtschaftliche Erfolg ist, lässt sich noch nicht absehen. Innerhalb eines Jahrzehnts hat sich die Outsourcing-Branche zu einem Hauptstrang des Bruttoninlandproduktes entwickelt. Outsourcing meint die Auslagerung von Unternehmensaufgaben und -strukturen an Drittunternehmen. Kritiker beanstanden, dass sich die Philippinen mit diesen Dienstleistungen zu sehr von den USA als Auftraggeber abhängig machen.

Um Mitternacht werden die Anrufe immer häufiger. Im Callcenter von SPi Global rufen Kunden eines amerikanischen Telekommunikationsunternehmens an, das die Beratung und den Telefonverkauf auf die Philippinen ausgelagert hat. Dutzende von Mitarbeitenden, die meisten zwischen 20 und 30 Jahre alt, sitzen an im Halbkreis angeordneten Tischen. Sie sprechen verhalten und blicken konzentriert auf den Bildschirm. In einer Ecke des mit Neon beleuchteten Großraumbüros in Manilas Finanzzentrum Makati wird immer wieder applaudiert – das Ritual wiederholt sich, wenn der Gruppenleiter den nächsten Telefonverkauf bestätigt.

Welcher Mitarbeiter wie viel verkauft hat, wie lange er pro Abschluss geredet hat, wie ihn die Kunden und die eigene Qualitätskontrolle bewerten, wird auf einer gut sichtbar aufgestellten Tafel angegeben. Die Jungen mögen diesen Wettbewerb, meint die Begleiterin von SPi Global, einem der führenden Anbieter im schnell wachsenden Business-Process-Outsourcing-Sektor (BPO) der Philippinen.

Industrieländer haben bereits ab den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts Beratungsdienste und Verwaltungs- und Logistik-Funktionen auf die Philippinen übertragen. Doch machte der BPO-Sektor des südostasiatischen Entwicklungslandes im vergangenen Jahrzehnt nochmals einen Siebenmeilenschritt nach vorne, ließ Indien als Callcenter-Nation Nummer eins links liegen und beschäftigt dank Wachstumsraten von jährlich 20% inzwischen eine halbe Million Filipinos. Stark ausgebaut wurde der Sektor gerade auch während der Finanzkrise von 2008/2009.

Da gehäuft beratungsintensive Dienstleistungen, etwa im Gesundheitswesen, beansprucht werden, entstehen auch qualifizierte Arbeitsplätze. Die Outsourcing-Branche, die 4,5% zum Bruttoinlandprodukt (BIP) beiträgt, hat überdies zu einer spürbaren Vielfalt der Exportstruktur beigetragen. Innerhalb des vergangenen Jahrzehnts wuchs der Anteil der Dienstleistungen am Gesamtexport von 9% auf 21% an.

Zugenommen hat derweil die Konkurrenz mit anderen Ländern, die im BPO-Sektor arbeiten. Bekamen vor zehn Jahren noch Indien, Nordirland, Kanada und Mexiko einen Teil von dem großen Kuchen, hat Manila nun auch mit Sri Lanka, Südafrika und Ägypten ernste Konkurrenten. Die Philippinen jedoch stützen sich auf ein nahezu unbeschränktes Reservoir an gut ausgebildeten und sprachlich versierten Jugendlichen, die eine Karriere im BPO-Sektor gewählt haben.

Der dynamische Wirtschaftszweig erhält von der Regierung wohlmeinende Unterstützung. Auf Drängen der Outsourcing-Unternehmen wurde unter dem neuen Präsidenten Benigno Aquino die Nachtarbeit für Frauen genehmigt. Zudem werden ausländische Unternehmen mit Steuererleichterungen angezogen. Aquino bezeichnete die Industrie als Lichtblick für die eigene Volkswirtschaft, die nach Ansicht der Regierung zu stark auf die Auslandsüberweisungen der Exil-Filipinos angewiesen ist. Diese Überweisungen machen mehr als 10% des BIP aus. Der Outsourcing-Sektor wird als mögliche Plattform für die im Ausland tätigen Filipinos gesehen, falls diese in ihre Heimat zurückkehren möchten.

Vor lauter Begeisterung angesichts der schwindelerregenden Wachstumsraten droht in den Hintergrund zu geraten, dass die Philippinen ein Wagnis eingehen, wenn sie sich zu sehr von ausländischen Auftraggebern abhängig machen. Diese Auftraggeber bringen nämlich keine Investitionen in das Land und neigen daher dazu, kurzfristig den Standort zu wechseln. Da stellt sich dann die Frage der Nachhaltigkeit einer solchen Wirtschaftsbranche.

Branchenvertreter auf den Philippinen verneinen dieses Risiko nicht, machen aber darauf aufmerksam, dass inzwischen mehrere Länder ihre Dienste auf den Inselstaat verlegen. Standen die Philippinen bisher ausschließlich in Diensten amerikanischer Auftraggeber, werden nun vermehrt Kunden im asiatisch-pazifischen Raum (Australien, Neuseeland), in Nordostasien (Korea, Japan) sowie in Europa angelockt. Zudem sollen auch einige indische Firmen Callcenter auf Druck ihrer amerikanischen Kunden nach Manila verlegt haben. Die entscheidenden Vorteile sind eben das nahezu akzentfreie Englisch der Filipinos oder deren ausgeprägte Dienstleistungsmentalität.




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Neue Zürcher Zeitung, NZZ Online“, nzz.ch

Schlagwörter: Philippinen, Callcenter, Dienstleistung, Dienstleistungs-Sektor, Outsourcing, Backoffice, Wirtschaft, Bruttoinlandprodukt, Benigno Aquino, Wachstum, Manila, Auslands-Filipinos, Auslandsüberweisungen