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Philippinen: Als Sozialarbeiterin unterwegs im Slum

Meldung vom 15.12.2011

Es ist gefährlich und man bekommt kein Geld: Sozialarbeiter in den Slums der Philippinen arbeiten rein aus Überzeugung. Die Sozialarbeiterin Norma Alegre hat beschlossen, endlich etwas gegen Gewalt an Frauen und Kindern in ihrer illegalen Siedlung in Quezon City zu tun. Doch die unbezahlte Arbeit birgt auch sehr hohe Risiken für sie.

Das Geschäft von Norma Alegre spielt sich zwischen elf Glasboxen und siebenundzwanzig Plastiksäckchen ab, die mit Süßigkeiten gefüllt sind. Sie verkauft Süßigkeiten, Gummischlagen oder saure Drops durch ein Fenster ihrer Wohnung auf die Straße eines Slums von Quezon City auf den Philippinen.

„Ich habe viel zu tun, aber wenig Einkommen“, beschwert sie sich. Durch die dünnen Wände der provisorischen Siedlung, in der sie haust, musste die energische 46-Jährige oft mithören, wie Frauen und Kinder geschlagen wurden. Als sie es nicht mehr aushalten konnte, ihren Nachbarinnen nur mit tröstenden Worten helfen zu können, begann sie ehrenamtlich als Sozialarbeiterin bei einer Hilfsorganisation mitzuwirken.

Manila ist zwar die Hauptstadt, aber nicht die Stadt mit der größten Einwohnerzahl. Den ersten Platz nimmt Quezon City mit rund 2,2 Millionen Menschen ein. Die Grenze zwischen diesen Städten geht jedoch immer mehr ineinander über und man schätzt, dass in Manila und Umgebung – genannt Metro Manila – fast 12 Millionen Menschen wohnen. Laut UN fristet mindestens ein Drittel davon ein Leben unter der Armutsgrenze.

Norma Alegre kennt sich gut aus mit den Geschichten der Frauen aus ihrem Viertel: Sie berichtet von der 14-Jährigen, die vergewaltigt wurde und deren Eltern die Anzeige zurückgezogen haben, nachdem der Täter sie bestochen hat. Nach einem Selbstmordversuch muss die junge Frau nun in einem Heim leben. „Es gibt hier eine Kultur der Stille“, weiß die mutige Sozialarbeiterin. Sie erzählt weiter von einer 17-Jährigen mit einer geistigen Beeinträchtigung, der die Ärzte die Reife einer Sechsjährigen attestiert haben und die ebenfalls Opfer sexueller Gewalt wurde. Was aus dem Leben der Frau weiter wird, ist noch unklar: „Wir warten noch auf die medizinischen Ergebnisse.“

Die ehrenamtlichen Sozialarbeiterinnen bieten psychologische Betreuung und juristische Beratung an. Das Angebot soll aber nicht aufdrängend sein, sondern die Opfer sollen soweit unterstützt werden, dass sie selbst aktiv werden, um aus dem Kreislauf der Gewalt auszusteigen, betont Alegre. Ihre Arbeit ist gefährlich, denn sie macht sich dadurch auch Feinde: „Ich erlaube es mir nicht, bei meiner Arbeit Angst zu haben. Ich kann nicht gerade denken, wenn ich mich fürchte.“

In ihrem Einzugsgebiet leben rund 120.000 Menschen, davon leben 90 Prozent unter der Armutsgrenze. Die Bewohner und die seltenen Besucher können seit kurzer Zeit über massive Betonbrücken den Slum erreichen. Auf den Brücken überquert man eine donnernde zehnspurige Fahrbahn. Diese Überführungen wurden erst vor einigen Jahren errichtet. Davor kamen regelmäßig Fußgänger bei dem Versuch, die Straße zu überqueren, ums Leben.

Auf der anderen Seite wird der Slum durch einen Fluss begrenzt, an dessen Ufern sich beißend stinkender Abfall stapelt. Der Gegensatz zu der luxuriösen Wolkenkratzerstadt Makati, die man mit dem Auto in einer halben Stunde erreichen kann, könnte nicht größer sein. Dort befinden sich die die Standorte internationaler Unternehmen, schicker Botschaftervillen und Boutiquen und erinnern an Manhattan.

2005 ging man von zwei Millionen Straßenkindern auf den Philippinen aus. „Nur vier von zehn Kindern beenden hier die Grundschule, und nur eines geht auf die Universität“, erklärt Alegre, als sie an der Volksschule vorbeigeht. Kinder unter 15 Jahren, die noch nicht ins Gefängnis geworfen werden können, werden auch für Diebstähle oder zum Drogenschmuggel instrumentalisiert.

Je tiefer man in den Slum eindringt, umso weniger Licht gibt es. Auf wenig Platz drängen sich viele Menschen, es wird Wohnfläche auf Wohnfläche zusammengezimmert, dazwischen wurden als Regenschutz Plastikplanen gespannt. Es ist dunkel hier, und doch kämpfen die Bewohner für ihre Selbsterhaltung: Der tief in der Bevölkerung verwurzelte „amor propio“, was übersetzt Selbstachtung bedeutet, drückt sich selbst hier noch aus. Mit prächtigen Orchideen und kräftigen Farben setzen sich die Menschen gegen die graue Umgebung zur Wehr. Auch auf ihr Äußeres sind viele Bewohner bedacht. Oft würden Touristen wohl kaum erraten, dass die Verkäuferin in der Shopping Mall oder der Sicherheitsmann vor dem Hotel in einer dieser Slumsiedlungen wohnt.

Eine Nachbarin von Alegre erklärt, wie manche Großfamilien ihren Schlaf aufteilen. Aus Platzmangel können nicht alle gleichzeitig schlafen. Die Kinder dürfen ein wenig schlafen, dann werden sie geweckt und die Eltern ruhen kurz, bis sie zur Arbeit müssen. Zur Beaufsichtigung und Beschäftigung der kleineren Kinder gibt es nur den Fernseher: Überall strahlt das blaue Licht der Fernsehgeräte aus den Fenstern. Ein Medium, in dem die Kinder alles sehen, was auch in ihrer nächsten Umgebung passiert: Brutale Bilder von Gewalt- und Mordopfern sind an der Tagesordnung.




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Der Standard“, derStandard.at

Schlagwörter: Philippinen, Slum, Manila, Quezon, Sozialarbeiter, Armutsgrenze, Gewalt, Vergewaltigung, Straßenkinder, Drogenschmuggel, Diebstahl