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Philippinen: Frauen sollen an den Verhandlungstisch

Meldung vom 08.03.2012

Auf den Philippinen gibt es seit vielen Jahrzehnten gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Muslimen und Christen. Doch Frauen kämpfen für den Frieden. „Ein gerechter Frieden ist weder zu erreichen noch zu erhalten ohne die Energie, die Träume, die Fantasie und die Inspiration von Frauen.“ Das sagt die Friedensaktivistin Irene Morada Santiago. Die Filipina ist Leiterin der Frauen-Kommission „Mütter für den Frieden“ auf der philippinischen Insel Mindanao.

„Wenn Frauen stärker an Friedensverhandlungen beteiligt werden, dann fördert das die Umsetzung und Einhaltung der Vereinbarungen.“ Irene Morada Santiago weiß aus Erfahrung, wovon sie spricht: Seit fast vier Jahrzehnten setzt sie sich für ein friedliches Zusammenleben der Christen und Muslime in ihrer Heimatregion Mindanao ein. In diesem Bereich leistet die zierliche Filipina Pioniersarbeit – als Frau.

1973 rief die Christin die Kahayag Stiftung ins Leben, um arme muslimische Frauen zu unterstützen. Heute ist sie Vorsitzende der Mindanao-Frauen-Kommission und zuständig für die Mütter des Friedens. Das sind Frauen, die alles daran setzen, einen seit Jahrzehnten lodernden Konflikt zu beenden. Mehr als 120.000 Tote kosteten die blutigen Auseinandersetzungen zwischen Rebellen der MNLF, Moro National Liberation Front, sowie der islamistischen MILF, Moro Islamic Liberation Front, und Regierungstruppen nach Schätzung der Weltbank seit den 70er-Jahren.

„Der Konflikt wurde stets als Auseinandersetzung zwischen Christen und Muslimen dargestellt – das ist sehr bequem, denn Religion weckt Emotionen, von Ethnien zu sprechen, weckt Emotionen: So kann man Leute mobilisieren. Dieser Konflikt ist jedoch das Resultat der Kolonialisierung, der Geschichte“, behauptet die Friedensaktivistin.

In dem erbitterten Kampf geht es um Gerechtigkeit und Selbstbestimmung. Den Spaniern, die sich das philippinische Inselreich Jahrhunderte lang unterworfen hatten, gelang es im Grunde nie, den Südteil und die dort lebenden Muslime zu bezwingen. Nach dem spanisch-amerikanischen Krieg verabschiedeten die Vereinigten Staaten ein Landgesetz, das Christen privilegierte und ihnen statt 10 bis zu 23 Hektar Landbesitz zugestand. Nach der Unabhängigkeit 1945 zielten die philippinischen Regierungen und Machthaber in Manila mit einer Politik der Besiedlung Mindanaos durch Christen darauf ab, dass die muslimischen Einwohner dort zur Minderheit wurden. Dadurch radikalisierten sich die Muslime.

Verschiedene Anläufe für Friedensabkommen, stärkere Autonomierechte in den letzten Jahren, brachten den lang ersehnten Frieden bisher nicht: Die Moro Islamic Liberation Front verfolgte ihre Ziele weiterhin mit Gewalt, erklärte sich aber nun wieder bereit, am Verhandlungstisch zu erscheinen.

„Natürlich hat die philippinische Regierung eine andere Vorstellung von Autonomie und Selbstbestimmung. Die Rede ist jetzt aber sogar davon, die Verhandlungen noch im März abzuschließen. Das hieße aber nach den Sternen greifen zu wollen ... Beide Seiten sind jedoch bemüht, zeigen guten Willen. Ich hoffe, dass es noch in diesem Jahr zu einer Vereinbarung kommt“, sagt Santiago.

Kann diese Vereinbarung dieses Mal anhaltenden Frieden bringen? Irene Morada Santiago nahm von 2001 bis 2004 selbst drei Jahre lang am Friedensrat teil. Später stand sie der Regierung in Manila als Beraterin zur Seite. Ihr wichtigster Denkansatz: „So lange es das Ziel von Friedensverhandlungen ist, die Gewalt, den Krieg zu stoppen, werden immer nur die Männer am Tisch sitzen, weil sie die Akteure im Krieg sind. Wenn wir unser Ziel jedoch erweitern, und dauerhaften Frieden schaffen wollen, dann haben Frauen eine Rolle zu spielen und einen Platz am Verhandlungstisch.“

Nur sieben Prozent ist die Rate an Frauen, die als Friedensunterhändler bei Konflikten weltweit auftreten: Viel zu wenig meint Irene Morada Santiago, auch auf den Philippinen. Deshalb hat sie neben den offiziellen Verhandlungsforen einen runden Tisch der Frauen gegründet. Um den Frieden zu einem dauerhaften Zustand zu machen, sollen sie vermitteln, informieren, gestalten und versöhnen: Eben das, was sie Tag für Tag in ihren Familien, in der Gesellschaft ohnehin schon leisten.




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Deutschlandfunk“, dradio.de

Schlagwörter: Philippinen, Mindanao, Minderheit, Muslime, Christen, Frauen, Frieden, Friedensaktivistin, Irene Morada Santiago, Manila, Verhandlung, Landgesetz, Landbesitz, Autonomierechte