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Somalia: Vom Bürgerkriegsland zur radioaktiven Müllkippe Europas

 
Meldung vom 25.05.2011

Piraten und Bürgerkrieg, das sind die Themen, die in der Weltöffentlichkeit mit Somalia verbunden werden. Doch eine ganz andere Perspektive auf das Land am Horn von Afrika zeigt, wie im Verborgenen das Chaos in dem Land dazu genutzt wird, um dort radioaktiven Müll zu verklappen.

Die „Weiße Perle des Indischen Ozeans“ hat die italienische Kolonialmacht einst Mogadischu genannt. Jetzt nennt man sie nur noch die „Hauptstadt in Trümmern“, so in der neuesten Dokumentation von Arte. Dabei hatte Mogadischu einst eine Altstadt aus dem 8. Jahrhundert vorzuzeigen, die aber nun genau wie der Rest des Landes, nach über 20 Jahren Bürgerkrieg, in Schutt und Asche liegt.

Arte eröffnet in der neuesten Dokumentation einen ganz anderen Blickwinkel auf das zerrüttete Land. Die Spurensuche von Paul Moreiras „Somalia und die Giftmüllmafia“ verfolgt die „hartnäckigen Gerüchte“ von Giftmüllfunden an der somalischen Küste und offenbart einen beklemmenden Hintergrund für die Situation der Piraten, deren Lebensraum und Broterwerb, die Fischerei, bedroht wird.

Besonders italienischer Müll wurde angeblich vor der Küste Somalias abgeladen. Handlanger für diese illegale Müllverklappung war die Mafia. Die zu Tage gebrachten Praktiken der italienischen Mafia sind menschenverachtend. Menschen, die mit dem Müll in irgendeiner Form in Berührung kamen, erlitten furchtbare Gesundheitsschäden. „Ich bekomme immer noch Gänsehaut, wenn ich daran denke. Die Kinder hatten Wasserblasen, den Frauen fielen die Haare aus, ihnen floss das Blut aus allen Körperöffnungen“, sagt Gianpiero Sebri, ein ehemaliger Handlanger des unsauberen Geschäftes.

Er hatte lange Zeit die Aufgabe übernommen, mitunter radioaktiven Giftmüll in armen Ländern wie Haiti und Somalia abzuladen, Länder, die ohnehin im Chaos untergehen. In Italien besuchen Geschäftsmänner verschiedene Unternehmen und sammeln Müll ein, den sie gegen geringe Gebühren abnehmen. Die Menschen in den Krisenländern werden schließlich mit Waffen und Geld zum Schweigen gebracht und akzeptieren die Müllverklappung in ihrer Region, ohne über deren Folgen aufgeklärt zu werden. Der Müll versickert in irgendwelchen Gruben, für die niemand mehr Interesse zeigt.

Nachdem Gianpiero Sebri Zeuge der direkten Folgen von der Abladung seiner Fracht in Haiti wurde, hat er sich aus dem Geschäft zurückgezogen und sich an die Justiz gewandt. Für die Beteiligten der Giftmülltransporte hat sein mutiger Schritt bis heute keine Konsequenzen gehabt, während er mittlerweile um sein Leben bangen muss. „In Italien verschließt die Politik systematisch die Augen, wenn es um Giftmüll geht“, sagt auch der Journalist Luciano Scaettari über die Verhältnisse in seinem Land. Dass aber die internationale Staatengemeinschaft, allen voran die EU, bei solchen Vergehen nicht eingreift, ist skandalös.

Mit der Verklappung von radioaktivem Müll wird ein Thema aufgegriffen, das längst nicht mehr als innere Angelegenheit Italiens verharmlost werden kann. Das unterstreichen auch die in dieser Dokumentation gezeigten Bilder von Müllfässern an der Küste und Aufnahmen aus einer Klinik vor Ort – in Somalia.






Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Die Tageszeitung“, taz.de

Schlagwörter: Somalia, Mogadischu, Giftmüll, Verklappung, Müllhalde, radioaktiver Müll, Giftmüllfund, Mafia, Arte, Piraten