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Philippinen: Klimawandel – Slums werden einfach fortgespült

Meldung vom 24.03.2017

Die Philippinen und der Großraum Manila sind vom Klimawandel besonders stark bedroht. Besonders die Armen, die in Slums nahe am Wasser hausen, haben schlechte Zukunftsaussichten. Immer wieder werden ganze Stadteile durch Überschwemmungen heimgesucht. Dann steht das ganze Leben dort still. Um Manila vor dem Klimawandel zu wappnen, will die Regierung das Wasser in Flüssen und Kanälen möglichst rasch fortleiten. Doch dieser Maßnahme sind zahllose Stelzensiedlungen von Zuwanderern und ihr Müll im Wege.

Wie jeden Morgen, findet in der renovierungsbedürftigen Kathedrale von Tondo ein Frühgottesdienst statt. Es ist der wohl ärmste Stadtteil Manilas. Weihbischof Broderick Pabillo steht vor einigen Frauen, die fast jeden Morgen anwesend sind; dann läuft er mit wehender weißer Soutane hinunter zu einem Estero, einem der vielen Kanäle in den Vororten Manilas.

An die Böschung klammert sich, über blau-grün schillerndem Wasser, eine Plattform aus Brettern, notdürftig zusammengehalten von einigen Bäumen, Beton- und Holzpfosten; darauf kann man zwei Dutzend kleine Häuser aus Backstein, Holz und Wellblech erkennen; in Tontöpfen gedeihen Kräuter und Blumen. Das sei Maria Obineta, stellt Pabillo eine junge Frau vor.

Der Bischof lädt die Frau dazu ein, ihre Hausarbeit niederzulegen und von ihrer Situation zu berichten: „Ich bin hier geboren – vor 36 Jahren. Heute habe ich vier Kinder und einen fleißigen Mann. Er repariert Reifen, Abwasserrohre und sogar Mopeds für die gesamte Nachbarschaft. Und ich spare Geld dafür, dass wir irgendwann in ein ordentliches Haus ziehen können. Denn das Leben hier ist schon eine Plage. Da richtest du jahrelang deine Wohnung gemütlich ein und binnen einer Stunde macht Dir ein Taifun alles zunichte.“

Viele Menschen wandern vom Land ab, weil es keine Arbeit, Schulen und keinen Stromanschluss gibt. Maria Obineta und ihre Familie gehören zu den – geschätzt – drei Millionen unrechtmäßigen Siedlern Manilas. Sie haben sich einfach eine Hütte dorthin gebaut, wo bislang niemand lebte. Bischof Broderick Pabillo bezeichnet sie informelle Siedler. Weil es nur noch in den Großstädten Arbeit gebe, ziehen immer mehr Arme, ohne Erlaubnis, in die Stadt. Sie lassen sich an Steilhängen und Müllkippen nieder – oder in den Sümpfen, Esteros genannt.

Informelle Siedler haben am wenigsten Schutz vor den Folgen des Klimawandels. Und besonders die Philippinen sind vom Klimawandel betroffen. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass Taifune, Starkregen, Überschwemmungen zunehmen und der Meeresspiegel unweigerlich ansteigt.

Bischof Broderick Pabillo berichtet: „Die Ärmsten der Stadt sind besonders stark betroffen von Überschwemmungen. Ihre Hütten werden immer öfter überflutet; Kinder ertrinken. Hinzu kommt, dass die Verwaltung informelle Siedler aus ihren Hütten verjagt. Die Begründung: Sie seien dort in Gefahr und behinderten die Sanierung der Esteros. Draußen in der Provinz jedoch, wo die Menschen neu angesiedelt werden, haben sie oft keinen Strom- und Wasseranschluss; es gibt keine Schulen und keine Arbeit.“

Trotzdem mussten in den vergangenen Jahren zehntausende informelle Siedler unter Zwang der Regierung umziehen – in oft abgelegene Landstriche. Der Weihbischof schildert die Umstände bei einer Zwangsräumung vor zwei Jahren: „Im Morgengrauen kam ein Trupp Polizisten. Sie haben den Menschen befohlen, ihre Hütten abzubauen. Sonst würden das Feuerwehrleute tun – mit Vorschlaghämmern. Die meisten haben dann tatsächlich ihre Hütten abgerissen, um zumindest einen Teil ihres Hab und Guts zu retten. Einige allerdings weigerten sich; und es kam beinahe zu gewalttätigen Zusammenstößen mit der Polizei.“

Den Vertriebenen stellte die Regierung neue Häuser in der Stadt Montalban bereit, 30 Kilometer östlich von Manila. Auf den ersten Blick wirkt Montalbans Stadtteil Southville, wo mehrere tausend Familien untergebracht wurden, wie ein kleines Paradies. Solide gebaute Häuschen ziehen sich entlang einer frisch geteerten Straße und leuchten in frischen Farben. Vor den Fassaden und unter Fenstern grünen und blühen auch hier Kräuter, Gemüse und Blumen; in der Vorschule geht es lebendig zu mit vielen rot-weiß uniformierten Kleinkindern.

Schaut man aber genauer hin, erkennt man, dass es in Montalban kaum Aussichten auf einen Job gebe, erklärt Carmelita Arlos, eine Mutter von drei Kindern: „Mein Mann arbeitet in einem Hotel in der Stadt. Er macht immer die Nachtschicht. Um sieben Uhr fährt er weg, damit er von elf bis sieben Uhr morgens arbeiten kann. Gegen Mittag kommt er dann heim, schläft ein paar Stunden und fährt wieder zur Arbeit, sechs Tage die Woche.“

Viele Familien hielten einen solchen Druck nicht aus, berichtet Weihbischof Pabillo. Irgendwann komme der Mann nicht mehr nach Hause; er bleibe in Manila und suche sich dort eine neue Frau – daraus entsteht dann eine Familie neuer informeller Siedler. Zwangsumsiedlungen in die Provinz haben keinen positiven Effekt, sagt Pabillo energisch. Nein, die Regierung müsse beides in Angriff nehmen: Sie müsse die Wasserläufe Manilas trockenlegen und so den Wetterkatastrophen vorbeugen; und sie müsse jenen, die am meisten durch den Klimawandel leiden, ein sicheres und menschenwürdiges Zuhause schenken.

„Ich meine, wir verfügen über genügend technische Mittel, unseren Lebensraum zu entwickeln, ohne Menschen dafür zu opfern. Der Schutz der Umwelt und der Schutz obdachloser Menschen dürfen einander nicht ausschließen. Genau deshalb hat auch Papst Franziskus gesagt: Hört gleichermaßen die Schreie der Menschen und die Schreie der Schöpfung“, sagt der Geistliche.

Tatsächlich hat der philippinische Präsident Rodrigo Duterte die Sache erst einmal auf Eis gelegt: In nächster Zeit soll niemand mehr aus Manila in die Provinz umziehen müssen. Und die Regierung finanziert neuerdings die Errichtung preisgünstiger Mietshäuser in unmittelbarer Nähe von Elendssiedlungen. Maria Obineta hat davon schon etwas mitbekommen. Sie habe sich aber an ihren Lebensstandard gewöhnt und sei genügsam, sagt sie, und stellt frischen Mangosaft auf den Tisch ihres Wohnzimmers. Überall zeugen beleuchtete Heiligenschreine von ihrem Glauben. Besonders stolz jedoch ist Maria auf ein Dutzend Medaillen, die auf einer Kommode zur Schau gestellt wurden – sorgsam in durchsichtiger Folie aufbewahrt.

„Meine vierzehnjährige Tochter Cathleen zählt zu den besten Sprinterinnen der Philippinen. Sie sehen ja die vielen Pokale und Medaillen, die sie schon gewonnen hat. Cathleen und die drei anderen gehen auf die besten Schulen hier; sie haben gute Noten; und wenn ich, nach einem Tag Schufterei, unter dem Balete-Baum dort drüben sitze, sage ich mir: Eigentlich bist du eine glückliche Frau – trotz all der Mühsal hier.“




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Deutschlandfunk“, dradio.de

Schlagwörter: Philippinen, Klimawandel, Slums, Überschwemmungen, Landflucht, Arme, Taifune, Kanäle, Manila, Zwangsumsiedlung, Meeresspiegel, Umwelt, Katastrophen, Wetter