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Zur Geschichte und Problematik des Landes

Burundi hält seit langem einen traurigen Rekord: Es ist das ärmste Land der Welt. Die Wirtschaft des Landes hat durch einen jahrelangen Bürgerkrieg extrem gelitten. Innenpolitische Instabilität und ethnisch-soziale Spannungen haben das Land nachhaltig negativ geprägt.

Eigentlich ist es landschaftlich reizvoll, das kleine fruchtbare Hügelland im Osten Afrikas. Die rote Erde, die herzlichen Menschen könnten dem Besucher ein vermeintliches Idyll vorspiegeln – wüsste man nicht um die enormen Probleme: Dramatische Überbevölkerung, Armut, Flüchtlingselend, Bildungsnotstand, ethnische Dauerfehden, Rechtlosigkeit und Rachegefühle.

 
Die bittere Armut in diesem Land ist überall greifbar zu spüren: Mehr als 64 Prozent der Bevölkerung fristet ein Dasein unter der Armutsgrenze. Die meisten Menschen in Burundi bestreiten ihre Existenz durch ihre kleinbäuerlichen Erträge und durch Subsistenzwirtschaft.

Burundi blickt zurück auf eine jahrhundertealte Geschichte als eigenständige Monarchie, das Königreich Burundi. Am Ende des 19. Jahrhunderts wurde es im Rahmen der Aufteilung Afrikas unter den europäischen Großmächten Deutschland zugesprochen und zusammen mit „Ruanda“ als „Urundi“ der Kolonie Deutsch-Ostafrika hinzugefügt. Die Deutschen übten nur indirekte Herrschaft aus und standen den Regierenden kontrollierend und beratend zur Seite. Parallel setzte in dem Land die Missionierung ein, bei der die Katholiken den größten Einfluss gewannen. Im ersten Weltkrieg eroberte Belgien das Land.

Eine blutige Spur von Rache und Stammesrivalitäten durchzieht das gesamte Land – gemeint sind die vielen Ausschreitungen zwischen den beiden Volksstämmen der Hutu und Tutsi. Von 1993 bis 2005 tobte dieser blutige Bürgerkrieg, von dessen Folgen sich das Land bis heute kaum erholt hat.

1962 entschied die UN, Ruanda und Burundi als zwei separate Staaten in die Unabhängigkeit zu entlassen. Da hatten sich die ethnischen Spannungen zwischen Hutu und Tutsi schon zu handfesten Kämpfen ausgeweitet. Die sogenannte erste Republik in Ruanda (1962-1973) war von Mordwellen an Tutsi, Flucht und Vertreibung begleitet. Viele Tutsi flüchteten zum großen Teil ins Nachbarland Burundi. Dieser Flüchtlingsstrom führte in der Folgezeit zu immer wiederkehrenden Konflikten und zu einem verstärkten Rassendenken zwischen Tutsi und Hutu in Burundi.

Noch am Tag der staatlichen Unabhängigkeit zerbrach die burundische Regierungspartei in jene beiden Lager, die dem Land zum Schicksal werden sollten: gemäßigte prowestliche Tutsi und Hutu einerseits und radikale Tutsi andererseits.

Für die Hutu in Ruanda schlug beispielsweise das Tutsi-Massaker von 1972 an den Hutu im Nachbarland Burundi eine tiefe Wunde, die nie vernarbte. Als dann Exil-Ruander Anfang der 90er Jahre den Norden des Landes angriffen, um die Rückkehr von Tutsi-Flüchtlingen zu ermöglichen, sahen radikale Hutu ihre Stunde der Rache gekommen.

 
In der Folge führte ein fatales Ereignis nach dem nächsten zu immer wiederkehrenden Vergeltungsschlägen zwischen den beiden Ethnien: In Burundi war 1993 der erste Hutu-Präsident Opfer eines Mordes geworden, Melchior Ndadaye; Angehörige der Hutu-Minderheit rächten sich daraufhin mit zahlreichen Massakern an den Tutsi. Und in Ruanda wurde nach dem Abschuss der Präsidenten-Maschine über der Hauptstadt Kigali im April 1994 – die Regierungschefs beider Länder waren an Bord – über vereinbarte Signale im Rundfunk ein Monster entfesselt. Der Völkermord in Ruanda mit bis zu 800.000 Toten – zumeist Tutsi und gemäßigte Hutu – geht als einer der größten Schrecken des 20. Jahrhunderts in die Geschichte ein.

Besonders bizarr ist die Tatsache, dass es eine echte Sicherheit, wer Hutu ist und wer Tutsi, in Burundi gar nicht geben kann. Die gängigen Zahlen, nach denen 85 Prozent der Bevölkerung Hutu und 14 Prozent Tutsi seien, gehen noch auf die belgische Kolonialzeit zurück. Zudem gründet jede solche Zählung auf einer Fiktion: der Vererbung der Ethnie durch den Vater.

Burundi kam nicht zur Ruhe: Nach vielen Kämpfen wurde eine Einheitsregierung gebildet, die je zur Hälfte aus Tutsi und Hutu bestand. Doch in der Folge wurden die jeweiligen Präsidenten immer wieder ermordet oder gestürzt, was wiederum von blutigen Ausschreitungen gegen Tutsi oder Hutu und Flucht begleitet war. Daraufhin kam es zu internationalem Druck auf das Land. Verhandlungen unter Leitung des Südafrikaners Nelson Mandela und des Tansaniers Julius Nyerere mündeten im Jahr 2000 in den Friedensvertrag von Arusha.

2005 wurde Pierre Nkurunziza durch beide Parlamentskammern als Präsident gewählt. Er sicherte sich mit korrupten Machenschaften eine weitere Amtszeit, doch die Wahlen wurden von Beobachtern als nicht frei und nicht glaubwürdig bewertet. 2020 stirbt Nkurunziza überraschend, die Regierung des ostafrikanischen Landes spricht von Herzversagen. Doch unter der Bevölkerung kursieren Gerüchte über einen weiteren Mord – oder eine Covid-19-Erkrankung.

Nkurunzizas Machtausübung zählte zu den erfolgreichsten des Landes, was auch daran lag, dass Gegenspieler, die ihm in die Quere kamen, ins Gefängnis geworfen wurden. So hielt es der Präsident auch in der Politik, wo seine Gegner verschwanden und teils mit durchgeschnittener Kehle wieder auftauchten. Andere blieben verschollen, wohl in Massengräbern verscharrt. Im Juni 2020 wurde sein Parteifreund Évariste Ndayishimiye zum Nachfolger gewählt. Doch auch hier herrscht wenig Hoffnung auf eine gerechtere Regierungsführung.



Amnesty International spricht von Folter, willkürlichen Verhaftungen und schweren Misshandlungen in diesem Land. Human Rights Watch listet in seinem Report außergerichtliche Hinrichtungen, politisch motivierte Angriffe und Tötungen auf, die sowohl von Regierungs- als auch Oppositionsseite während und nach den Wahlen von 2010 stattfanden. UNICEF hebt die prekäre Situation der Kinder in Burundi hervor. Rund 25 Prozent der Kinder zwischen 10 und 14 Jahren müssen sich durch Kinderarbeit verdingen. Kinder sitzen im Gefängnis, erleiden sexuelle und geschlechtsspezifische Gewalt. Die Ausbeutung und der Missbrauch von Straßenkindern, Waisen und behinderten Kindern zur Prostitution, Knechtschaft und als Kindersoldaten sind tragischer Weise an der Tagesordnung.

Die Kinder in Burundi stehen deswegen für Gebende Hände an erster Stelle. Für sie zu sorgen, sehen wir als unsere wichtige Aufgabe an.