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Philippinen: Gibt es einen Alltag sechs Monate nach dem Taifun?

Meldung vom 20.05.2014

Auch sechs Monate nach dem Taifun auf den Philippinen ist in dem Katastrophengebiet noch keine Ordnung zurückgekehrt. Die Menschen dort beschuldigen die Regierung, zu wenig zu tun. Vor sechs Monaten kamen tausende Menschen in der Region östliche Visayas ums Leben, nachdem der Super-Taifun Haiyan (von Einheimischen als Yolanda bezeichnet) über die Inselgruppe der Philippinen hinwegfegte. Auch heute noch ist der Alltag für einen Großteil der Überlebenden sehr schwer, weil die Regierung bisher noch keinen allumfassenden Strategieplan ausgearbeitet hat, um die verwüsteten Regionen wieder aufzubauen.

Senator Chiz Escudero beschwert sich über die Regierungsführung, da sie den Ernst der Lage nicht erkannt habe: „Das ist wirklich schlimm. Wie kann es sein, dass wir sechs Monate nach Yolanda noch nicht einmal wissen, was die betroffenen Gemeinden wirklich brauchen? Dabei geht es gar nicht darum, was wir in der Lage sind zu geben oder was wir bereit sind zu geben. Auch dieses Desinteresse verlängert das Leid der Opfer. Das grenzt ja schon an kriminelles Verhalten.“

Die Unfähigkeit, eine koordinierte Zusammenarbeit zwischen den Behörden in die Wege zu leiten, verschärft den Notzustand: Sechs Monate nach Yolanda gesteht ein Regierungsbeamter, Schuld am schleppenden Wiederaufbau der betroffenen Gebiete sei die Untauglichkeit der Behörden, Hand in Hand gegen das Chaos anzugehen. Haiyan, der im November 2013 über den Philippinen tobte, löste eine Sturmflut aus, bei der tausende Dörfer vernichtet wurden. Mehr als 16 Millionen Menschen wurden von der Katastrophe in Mitleidenschaft gezogen.

Etliche Hilfsorganisationen meldeten, obwohl sich die Opfer des Wirbelsturms langsam wieder von ihren Traumata regenerieren, stehen sie noch vor vielen Herausforderungen. Das Rote Kreuz kritisierte, dass es in manchen Regionen sogar noch an der Grundversorgung mangele: „Die betroffenen Gemeinden haben ein unglaubliches Durchhaltevermögen bewiesen, viele erholen sich langsam. Dennoch, die bittere Armut, die schon vorher auf einem sehr hohen Stand war, hält die Leute davon ab, mehr zu schaffen. In manchen Gebieten ist noch nicht einmal die Grundversorgung wiederhergestellt“, so ein Mitarbeiter vom Roten Kreuz.

In den Provinzen, in denen der Taifun eine Schneise der Zerstörung hinterlassen hat, sind nur die Hälfte der Krankenhäuser wieder funktionstüchtig. Das hat zur Folge, dass die Gesundheitsversorgung von Müttern und Neugeborenen mangelhaft ist. Die Organisation Save the Children berichtet: „In einem Krankenhaus der Region Eastern Visayas verstarben mehrere Babys an normalerweise leicht behandelbaren Symptomen, wie beispielsweise Unterkühlung oder Unterzuckerung. Warum? Weil die Krankenschwestern die Neugeborenen nachts im Dunkeln ohne Strom nicht ordentlich untersuchen konnten.“ Vier Monate nach dem Wirbelsturm konnte nur die Hälfte aller betroffenen Gemeinden ihre Krankenhäuser wieder eröffnen. Vor allem in der Provinz Leyte und deren Hauptstadt Tacloban konnte den Müttern bei Risikogeburten und der Neugeborenen-Pflege kaum geholfen werden.

Inzwischen macht die internationale Organisation Oxfam darauf aufmerksam, dass die 200.000 Überlebenden der Küstenregion kurz davor stehen, vollständig zu verarmen. Die Regierung will alles unternehmen, um sie in sicherere Wohnanlagen zu pferchen, ohne dabei zu berücksichtigen, wie diese Leute später ihren Lebensunterhalt verdienen sollen. Es handelt sich dabei meistens um Fischer, die in Küstennähe leben mussten.

Professor Carl Ramota inspizierte das Gelände der führenden Universität des Landes in Palo auf Leyte und berichtete von dem Stillstand der Uni: „Selbst sechs Monate nachdem der Kampus der University of the Philippines (UP) in Palo, Leyte, vom Taifun Yolanda stark beschädigt wurde, gibt es immer noch keinen eindeutigen Plan, ob die Hochschule für Gesundheitswissenschaften nun wieder aufgebaut oder umgesiedelt werden soll. Während angrenzende Gebäude schon wieder errichtet werden, liegt das Universitätsgelände von Palo noch immer in Trümmern. Schlimmer noch, das mit Asbest verseuchte Dach des alten SHS-Gebäudes ist immer noch nicht entsorgt worden und stellt somit eine Gefahr für die angrenzende Geburtsklinik und auch für andere Anwohner dar.“

Der Jugendbeauftragte Divs Mosquera ist auch nach Tacloban gereist, das als Zentrum der Katastrophe gilt. Die Erfahrungsberichte der Menschen, die den Wirbelsturm lebend überstanden, haben ihn sehr aufgewühlt: „Leyte besteht immer noch aus Zeltstädten, selbst Monate nach Yolanda. Seit ich hier bin, habe ich viele Tränen vergossen, die Schilderungen der Überlebenden sind einfach herzzerreißend.“

Den Erhebungen der Regierung zufolge, beträgt die Anzahl der Toten 6.300. Aber die Zahl könnte noch nach oben korrigiert werden, da in dieser Region immer noch Leichen gefunden werden. Al Octaviano, ein Einwohner der Provinz Leyte, beobachtet, dass die Behörden über viele Leichenfunde gar nicht mehr informiert werden: „Ich selbst habe 14 Leichen geborgen. Zwei Kinder, vier Frauen und der Rest waren Männer. Ich habe sie miteinander verknüpft, damit sie nicht vom Meer weggespült werden. Aber man weiß ja, wenn menschliche Körper lange in Salzwasser liegen, zersetzen sie sich. An den seichten Stellen sind auch viele Knochen im Schlamm vergraben, aber die Leute melden das gar nicht mehr.“

Bei der Regierung ist die Kritik in Bezug auf die Hilfsmaßnahmen angekommen. Sie machte aber darauf aufmerksam, dass es Politiker gibt, die diese Notlage ausnützten, um ihr eigenes politisches Profil zu stärken: „Wir sind sehr misstrauisch gegenüber Politikern, deren Programme unsere Bevölkerung glauben machen, dass die Regierung nicht genug tut, um das Leiden der Überlebenden zu mindern. Wir verabscheuen Politiker und politische Gruppierungen, die nur Verwirrung stiften wollen, um die Verletzlichkeit der Opfer von Yolanda ausnutzen zu können.“




Quelle: „Global Voices“, www.globalvoices.org

Schlagwörter: Philippinen, Taifun, Yolanda, Haiyan, Zerstörung, Tacloban, Leyte, Krankenhäuser, Wiederaufbau, Chaos, Koordination, Behörden, Regierung, Zeltstädte, Grundversorgung, Armut, Fischer, Universität, Trümmer, Leichen, Leichenfunde