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Philippinen: Mit Kleinstkrediten zum Wachstum für alle

Meldung vom 28.05.2014

Die Entwicklung der Philippinen ist für viele eine Überraschung. Das Land mit über 7.000 Inseln und rund 100 Millionen Einwohnern wird heute als eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften Südostasiens angesehen.

Ihre Waren türmen sich auf gerade mal vier Quadratmetern. Ninja Santiago ist ihre eigene Chefin. Sie unterhält einen sogenannten Sari-Sari Shop. Der liegt etwa zwei Autostunden von der philippinischen Hauptstadt Manila entfernt. Der Laden ist der ganze Stolz der Mittdreißigerin. Er befindet sich in der Nähe einer stark befahrenen Landstraße. Eigentlich ist es ein kleiner dunkler Verschlag. Der Boden aus Lehm, ein paar alte Holzregale mit Dosen und Nudelsuppen. Die Kasse ist ein Plastiktablett. Aber mit diesem Laden ernährt die Frau ihre Familie und unterstützt den kranken Vater.

Das Warenangebot richtet sich nach dem schmalen Geldbeutel der Kundschaft. „Angefangen habe ich nur mit einem Tablett, da habe ich eine paar Waren raufgepackt und die verkauft, direkt hier vor dem Haus“, berichtet sie und deutet auf eine dunkle Ecke. Als Anfangskapital musste Santiago umgerechnet rund 40 US-Dollar in den Kauf von Waren stecken.

Fast 1 Million dieser winzigen Läden sind über die ganzen Philippinen verstreut und sie kümmern sich um die Versorgung der Bevölkerung. Sie verkaufen Dinge des täglichen Bedarfs, auch in minimalen Portionen. Denn die Kunden sind meist Filipinos, die wenig Geld haben. Die erstehen dann das Shampoo nicht in einer Flasche, sondern in einem kleinen Beutel. „Das sind Sachets“, erklärt Santiago und meint die kleinen Plastiktüten, die an einer Art Leine aufgehängt sind. In jeder Tüte gibt es eine kleine Menge Shampoo, ausreichend für einmal Kopf waschen.

Die großen Supermarktketten lassen sich bisher noch nicht darauf ein, in die ländlichen Regionen der Philippinen zu ziehen. Noch ist die Infrastruktur zu mangelhaft und auch die Kaufkraft schwach. Doch der Trend geht in Richtung Wachstum. Laut einer aktuellen Studie des Beratungsunternehmens IHS wird das Pro-Kopf-Einkommen von 2.800 US Dollar in 2014 auf 5.800 US-Dollar in 2024 klettern, denn die die philippinische Wirtschaft zählt zu den schnell wachsenden Volkswirtschaften Südostasiens. Experten kündigen für 2014 ein Wachstum von weit über fünf Prozent an, auch für die nächsten Jahre soll dieser Aufwärtstrend anhalten.

Doch dieses Wachstum kommt nur einer geringen Oberschicht zugute, denn die Armut im Lande konnte bisher kaum verringert werden. 28 Prozent der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze, 10 Millionen Menschen haben keine Tätigkeit oder schlagen sich mit Gelegenheitsjobs durch. Die Bevölkerungszahl beläuft sich auf rund 100 Millionen und nimmt Jahr für Jahr um weitere zwei Millionen Menschen zu.

Bam Aquino bekleidet seit letztem Jahr das Amt des Senators auf den Philippinen. Er stammt aus einer der großen Politikerfamilien des Landes. Der 37-jährige ist der jüngste unter den 24 Senatoren und verfolgt großartige Pläne. Er setzt sich dafür ein, dass die Regierung Sozialunternehmen finanziert. Aquino hat vor seinem politischen Amt selber ein Sozialunternehmen ins Leben gerufen und es sechs Jahre lang entwickelt. Aquino wollte mit dem Unternehmen soziale Veränderungen bewegen.

„Hier auf den Philippinen haben wir doch schon so viel versucht und ich sage immer, alte Lösungen für alte Probleme funktionieren nicht. Denn deshalb haben wir die Probleme ja noch, weil die Lösungsversuche bisher nicht funktioniert haben. Deshalb brauchen wir neue Lösungsvorschläge, um die Probleme anzugehen. Dazu gehören Sozialunternehmen, eine Versorgungskette, die alle erreicht und Unternehmen, die alle einschließen.“

Hapinoy hat er das Unternehmen genannt, übersetzt: „der glückliche Filipino“. Aquino hat es nach der Wahl zum Senator auf seinen Partner übertragen. Die Förderung von 30.000 Sari-Sari Shops war darin enthalten. Bam Aquino und Mark Ruiz starteten mit Hapinoy vor sieben Jahren, um den kleinen Ladenbesitzern unter die Arme zu greifen. Sie lehren sie in Sachen Produktauswahl, veranstalten Marketingschulungen und geben Grundlagen der Buchführung weiter. Die Besitzer können sich für Kleinkredite bewerben. So soll das Auskommen der Sari-Sari Shops gesichert sein, denn sie bieten die Existenzgrundlage für viele Familien. 30.000 Kleinstläden haben sich heute Hapinoy angeschlossen. Die Gewinne werden wieder investiert und an eine gemeinnützige Stiftung gespendet. Das Unternehmen will keinen Profit machen, sondern die Löhne der Armen gewährleisten. Das ist das Ziel des Sozialunternehmens.

„Unser Ziel ist es, dass das Wachstum alle einschließt“, unterstreicht Aquino und schlüpft nun vom Unternehmer in die Rolle des Politikers. „Wenn das Wachstum nicht alle einschließt, profitieren davon nur wenige und das ist nicht akzeptabel für die Filipinos.“

Auch Ninja Santiago ist mit ihrem Laden dem Unternehmen Hapinoy verpflichtet. Mehrere Schulungen hat sie bereits durchlaufen und sie weiß jetzt, wo sie bessere Produkte bekommt. Unlängst erwarb sie sogar einen großen Kühlschrank. Jetzt bietet sie eisgekühlte Softdrinks zum Verkauf an. Im heißen philippinischen Sommer sind die besonders beliebt. Santiagos Gewinn hat sich in den letzten Jahren verdreifacht. Sie generiert jetzt umgerechnet über 200 Euro im Monat aus dem Laden. Von dem Geld kann sie sich nun auch die Arztbesuche ihres Vaters leisten. In der Nachbarschaft wird sie schon als Vorzeigeunternehmerin gepriesen.




Quelle:  „Deutsche Welle“, dw-world.de

Schlagwörter: Philippinen, Kleinstkredite, Mikrokredite, Armut, Förderung, Sozialunternehmen, Wachstum, Volkswirtschaft, Laden, Land, Supermarkt, Armutsgrenze, Sari-Sari-Shops, Wirtschaft, Infrastruktur, Kaufkraft